Orgel und Glocken

Orgelbauer Walker hatte eine im Klang als auch in der Form des Orgelprospektes exakt auf die Kirchenform abgestimmte Orgel gebaut. Wie Pfarrer Oberschmidt berichtete, war sie 1928 in modernster Weise ausgestattet. Gemäß den damaligen liturgischen Vorstellungen sollten als wesentliche Elemente der Kirche nur Altar und Kanzel herausragen, während alle übrigen Einbauten, so auch die Orgel, formal nur zurückhaltend in Erscheinung traten. Die Orgel verbirgt sich deshalb hinter einem schlichten Gitter, im Raster ähnlich den Fenstern, ohne einen aufwendigen oder auffallenden Orgelprospekt. Sie hat ein pneumatisches System mit Lederbälgen und ist als eine der wenigen im hiesigen Raum noch vorhandenen Orgeln nach romantischen Klangidealen aufgebaut Es gibt keine lauten und schrillen Stimmen, dafür aber um so mehr dunklere Klangfarben und Flötenstimmen. Obwohl die Orgel einen relativ hohen Unterhaltungsaufwand benötigt, wurde und wird sie sowohl wegen ihres Klanges als auch ihrer Technik als Dokument ihrer Zeit erhalten und gepflegt.

Die vier Glocken der Gustav-Adolf-Kirche stammen aus den verschiedensten Zeiten und Gießereien. Die kleinste Glocke, Durchmesser 720 mm, mit dem Spruch

EINE FESTE BURG IST UNSER GOTT

stammt noch aus dem Jahre 1924. Vor Errichtung der neuen Kirche hing sie auf dem Notglockenstuhl, und sie wurde als einzige 1942 nicht eingeschmolzen. »F. W. Rincker GmbH in Sinn goß mich 1924 AD«, steht auf dieser Glocke über ihre Herkunft zu lesen.

Die zweite Glocke, 800 mm im Durchmesser, trägt den Spruch

KOMMET HER ZU MIR ALLE.

Auf der dritten Glocke, mit 970 mm Durchmesser, stehen die Worte

EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE.

Auf einem weiteren Spruchband, unterbrochen von bildlichen Darstellungen, ist auf dieser Glocke zu lesen:

MACHET EUCH BEREIT, EHRE SEI GOTT
IM KREUZ IST HEIL ALLELUJA
KOMM SCHÖPFER GEIST HEILIG, HEILIG, HEILIG

Die zweite wie auch die dritte Glocke wurden 1950 in der Gießerei der Gebrüder Bachert in Kochendorf gegossen.
Die vierte Glocke, über 20 Zentner schwer, wurde am 20. Juli 1956 ebenfalls von den Gebr. Bachert in Kochendorf gegossen und trägt den Spruch

DANKET DEM HERRN, DENN ER IST FREUNDLICH, UND SEINE GÜTE WAEHRET EWIGLICH,

dazu ein Bildnis des Kreuzes mit betenden Händen. Ihr Durchmesser beträgt 1210 mm.
Alle vier Glocken wurden von der Gemeinde gespendet. Die Glocken ertönen in der Geläute- Disposition dis' – gis' – h' – cis'.

aus: Manfred Gerner: 50 Jahre Gustav-Adolf-Kirche Niederursel, 1978