Gott ist unserer Zuflucht und unsere Stärke

Mächtig thronen sie auf den Hügeln und blicken weit ins Land. Seit langem haben sie schon ausgedient und dennoch bleiben sie faszinierend – die Burgen. Ihre starken Mauern boten Schutzsuchenden Zuflucht und ihre exponierte Lage Reisenden Orientierung. Gott war für sie wie eine Burg, ein trutziger Rückzugsort und Orientierung auf ihrem Lebensweg.

In den letzten Jahren ist Europa zu einer solchen Schutzburg geworden. Aber die Flucht in die schützenden Mauern der Burg wird vielen Schutzsuchenden untersagt. Menschen die aus menschenunwürdigen Lebensverhältnissen zu uns fliehen, werden abgeschoben und abgewiesen. Sollen zurück in ihr altes Elend. Abgrenzung und Ausgrenzung überall. Was noch vor Jahren als undenkbar zu sagen galt, ist heute in den Zeiten von AfD in Deutschland, Matteo Salvini in Italien, Donald Trump in Amerika, dem „Rassemblet National“ in Frankreich, in Österreich, Ungarn zum Tagesgeschäft geworden. Die Verschärfung der Rhetorik verunsichert und polarisiert.  Rückzug hinter die Mauern. Menschen werden auf dem Meer allein gelassen. Sich selbst überlassen. Gäbe es da nicht die selbstlose Hilfe von manchen Institutionen und Menschen. Doch anstatt die Zugbrücke den Verfolgten und Schutzbedürftigen herunterzulassen, ziehen wir sie hoch und verbarrikadieren uns. Mich macht das betroffen, wie schnell Humanität und Nächstenliebe bei manchen Menschen ihr Ende gefunden haben.

„Gott ist unsere Zuflucht und Stärke – bei Gott ist jeder willkommen, er hat das Burgtor weit geöffnet. Alle sind eingeladen. Was für ein Kontrast! Wir schotten uns ab und Gott reißt die Türen auf,. Wie wäre es, wenn wir auch wieder unsere Türen öffnen würden? Auch die Türen zu unseren Herzen und Seelen. Und in unseren Nächsten auch ein Geschöpf Gottes erkennen. „Gott ist unsere Zuflucht und Stärke“ – warum nicht auf Gott vertrauen und mutig nach vorne blicken? In diesem Sinne wünsche ich uns einen mutigen Herbst voller Aufbruchsstimmung und Zuversicht trotz aller Hiobsbotschaften, die uns täglich erreichen.

Liebe Grüße von Pfarrer Michael Stichling