Kleine Probleme sammeln

Am Dritten Advent beginnt immer eine besondere Woche für Werner. Er hat Urlaub. Aber nicht für sich, sondern für andere. Nach dem Dritten Advent nimmt Werner Urlaub und erledigt Sachen für andere. Meistens für Ältere, die im Heim leben und nicht mehr so gut raus können. Für die einen geht er zur Bank, mit den anderen geht er zum Frisör. Während die dann da sitzen und sich schön machen lassen, kauft Werner ihnen Weihnachtsgeschenke ein. Einkaufen geht er oft diese Woche. Was so gebraucht wird im Altersheim. Ein paar Kleinigkeiten, die man Pflegern und Pflegerinnen schenkt. Ein paar Kerzen fürs Zimmer.  Aber auch Geschenke für Kinder und Enkel der Bewohner.

 Werner hat gut zu tun diese Woche. Manche wollen gar keine Einkäufe, sondern seine Ohren. Sie müssen etwas loswerden. Einen Ärger oder eine Freude. Dann ist Werner ganz Ohr. Diese Woche macht er nichts anderes, als für seine Alten da zu sein. Werner ist nicht besonders fromm. Aber er hat gehört, dass die Adventszeit etwas Besonderes ist. Da hat er sich gesagt: Das will ich machen. Eine Woche im Advent soll besonders sein. Und weil seine eigene Mutter gerade im Heim war und er immer mal hinging, hat er auch in den anderen Zimmern gefragt:

Brauchen Sie etwas? Müssen Sie in die Stadt? So kam das. Werner hat kleine Probleme gesammelt und dann gelöst, so gut es ging.

Seitdem macht er das im Advent. Er sammelt kleine Probleme, die er lösen will. Zu Fuß oder mit dem Auto. Die Woche ist gut gefüllt. Er hat einen Stundenplan für die Tage, damit er nichts und niemanden vergisst. Werner will keinen Dank. Er tut es für sich, sagt er. Weihnachten macht mehr Freude, wenn weniger Probleme sind in seiner kleinen Welt. Ein paar Probleme löst er diese Woche. Und allen ist ein bisschen leichter ums Herz.

Michael Becker